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Klassische Musik und Oper von Classissima

Anne-sophie Mutter

Dienstag 28. März 2017


Crescendo

7. März

Andreas Ottensamer: Klarinetten-Clan - Andreas Ottensamer

CrescendoSie tun es alle: Papa und die zwei Brüder. Bei Ottensamers aus Wien greift jeder zum geschmeidigen Rohrblattinstrument. Und das, obwohl oder gerade weil es in der Familie auch etwas anderes gibt als die Musik. Was man in die Wiege gelegt bekommt, ist Schicksal. Was man daraus macht, eine Frage von Talent und einer Portion Glück. Bei Andreas Ottensamer ist diese Mixtur vollendet aufgegangen. Mit seinen 27 Jahren ist der agile Klarinettist längst im Olymp der Klassikszene angekommen und hat es darüber hinaus geschafft, gleich in verschiedenen Bereichen parallel Karriere zu machen. Seit März 2011 ist er Soloklarinettist der Berliner Philharmoniker, außerdem tourt er als Solist durch die Welt und schätzt das Musizieren in hochkarätig besetzten Kammermusik-Ensembles. Ein Tag Anfang Februar in Wien. Andreas Ottensamer ist hier aufgewachsen und kehrt regelmäßig in seine alte Heimat zurück. Der hochgewachsene junge Mann mit den dunklen Haaren, den glatten Gesichtszügen und dem athletischen Gestus kommt knapp, eilt durch die verwinkelten Gänge des Künstlertrakts des Wiener Konzerthauses und lässt sich schließlich auf ein Sofa in der Kantine fallen. Seinem Aussehen nach könnte er Profisportler sein, Model oder beides gleichzeitig. Am Vorabend hat er im Musikverein Mozarts Klarinettenkonzert interpretiert, heute stehen die Proben für die nächsten Konzerte an. Nicht nur Andreas Ottensamer, auch seine gesamte Familie ist ein musikalisches Phänomen. Während die Mutter Cecilia Ottensamer als Celloprofessorin am Konservatorium in Wien unterrichtet, sind sowohl der Vater als auch die beiden Söhne als Soloklarinettisten in großen Orchestern tätig, Ernst und Daniel Ottensamer bei den Wiener Philharmonikern und beim Orchester der Wiener Staatsoper, Andreas Ottensamer bei den Berliner Philharmonikern. Dreimal Klarinette, dreimal musikalische Top-Liga. Was klingt wie eine statistische Unwahrscheinlichkeit, ist bei genauerem Blick gar nicht so verwunderlich. „Ich denke, man distanziert sich bewusst von dem, was die eigenen Eltern machen, oder man identifiziert sich sehr damit“, so Andreas Ottensamer. Bei ihm und seinem Bruder war offensichtlich Letzteres der Fall. Das lag womöglich auch daran, dass die Musik zwar selbstverständlicher Teil ihrer Kindheit war, aber nie alleiniger Lebensinhalt. „Meine Kindheit war gefüllt mit vielem, auch mit sehr viel Sport“, sagt Ottensamer. Gleichzeitig war die Musik für ihn immer präsent, doch nicht als etwas künstlich Aufgezwungenes, das er als Belastung von außen empfunden hätte. Stattdessen waren die Kinder ständig umgeben von Klängen und Harmonien, und sobald sie selbst die ersten Töne auf einem Instrument beherrschten, machten sie mit ihren Eltern zusammen Kammermusik. „Das war natürlich sehr motivierend und hat viel Spaß gemacht“, so Ottensamer. Zuerst spielte der Heranwachsende auf dem Cello und dem Klavier. Beides tat er gerne und mit Erfolg, doch mit zwölf reizte ihn dann das Instrument seines Vaters und Bruders. Eine folgenschwere Wahl. „Mit der Klarinette ging sehr schnell sehr viel vorwärts“, erzählt Ottensamer, und so wurde sie alsbald zu seinem Hauptinstrument: „Die Tongebung, die singenden Linien, der frei schwingende Ton … das alles ist sehr faszinierend. Und dann ist da diese mysteriöse Klangfarbe, bei der man manchmal im Orchester erst kaum weiß, welches Instrument nun gerade eigentlich spielt. Das ist immer wieder ein Gänsehautmoment für mich.“ Andreas Ottensamer - CD "New Era"; Foto: Katja Ruge/Decca Für Gänsehaut mal drei sorgt er seit 2005 zusammen mit seinem Vater und seinem Bruder. Seit mittlerweile zwölf Jahren treten sie als Klarinettentrio The Clarinotts auf, eine familiäre und musikalische Einheit, der bereits etliche Werke gewidmet wurden und deren Homogenität im Spiel außergewöhnlich ist. Für Ottensamer macht es einen riesigen Unterschied, ob er mit Familienmitgliedern spielt oder mit anderen Musikern. „Es gibt nichts Innigeres, nichts Harmonischeres als das Musizieren in einer Familie. Das kann man mit nichts vergleichen. Man kennt sich einfach wahnsinnig gut und versteht sich intuitiv“, so der Musiker. Oft ahne sein Bruder bereits eine Millisekunde vorher, was er gleich tun werde. Da brauche es keine Abstimmung und keine vielen Worte. Das sei einfach „sehr, sehr schön“. Auf seinem jüngst erschienen Album mit dem Titel „New Era“ begibt sich Andreas Ottensamer zusammen mit der Kammerakademie Potsdam und zwei seiner Kollegen bei den Berliner Philharmonikern, dem Oboisten Albrecht Mayer und dem Flötisten Emmanuel Pahud, nun auf Zeitreise nach Mannheim Mitte des 18. Jahrhunderts. Damals regierte dort der Kurfürst Karl Theodor und legte ein besonderes Augenmerk auf die Mannheimer Hofkapelle, ein exzellentes Orchester, das zum klingenden Symbol seiner Macht und Strahlkraft werden sollte. Ausgehend von diesem herausragend besetzten Ensemble entwickelte sich ein agiler Musikerkreis, der später als Mannheimer Schule in die Musikgeschichte einging. Gleich einem musikalischen Experimentierlabor kamen hier Dirigenten, Komponisten, Solisten und Orchestermusiker zusammen. Oft füllten sie in Personalunion gleich mehrere Rollen gleichzeitig aus und inspirierten sich gegenseitig zu bis dato ungehörten kompositorischen Neuerungen. Es muss eine umtriebige Werkstattatmosphäre geherrscht haben in diesen Jahren, in der nichts verboten war und kaum etwas spannender als die neueste Schöpfung des Kollegen, die es zu interpretieren, zu kommentieren und zu übertrumpfen galt. Andreas Ottensamer hat diese Zeit schon immer fasziniert, nicht zuletzt deshalb, weil sie als Geburtsstunde der Klarinette gesehen werden kann – so, wie wir sie heute kennen. „Das war eine ganz entscheidende, irrsinnig kreative und fruchtbare Zeit“, so Ottensamer. Die Werke der Mannheimer Schule seien dabei sehr vielfältig. Davon zeugen auch die Stücke auf „New Era“ wie das Klarinettenkonzert in B-Dur von Johann Stamitz oder Franz Danzis Concertino für Klarinette, Fagott und Orchester in B-Dur, die Ottensamer mit zahlreichen Manierismen verziert und mit der ihm eigenen Lebendigkeit und Wärme im Klang betörend in Szene setzt. Mal finden sich noch Anklänge an barocke Kompositionstechniken in den Schöpfungen der Mannheimer Schule, gleichzeitig reicht ihr Spektrum aber auch bis in die frühen Mozartopern hinein. Überhaupt Mozart: In Mannheim hat der Salzburger Komponist zum ersten Mal die Klarinette gehört und ihr fortan einen Ehrenplatz in seinen Werken eingeräumt. Von der innigen Liebe, die er mit ihrem besonderen Klang verband, erzählt nicht zuletzt sein Klarinettenkonzert. Seit seiner Entstehung ist es zu einem Schlüsselwerk der Klarinettenliteratur geworden, bei dem das schlanke, schwarze Instrument mit dem schwingenden Grundton und der singenden Melodiestimme in seiner ganzen Farbigkeit präsentiert wird. Mozart ist für Ottensamer ein lebenslanger Begleiter, und auch auf „New Era“ sind zwei Werke von ihm vertreten. Bei der Annäherung an die Schöpfungen der Klassikgröße dürfe man sich laut Ottensamer allerdings nicht von zu großen Skrupeln leiten lassen. „Bei aller Vorsicht vergessen wir gerne, dass Mozart eigentlich eine richtige Wildsau war. Seine Musik ist Oper pur, sie quillt über vor lachender Virtuosität und freier Sanglichkeit. Das ist unglaublich lebendig und darf auch so gespielt werden.“ Erlebt man Andreas Ottensamer mit Mozarts Klarinettenkonzert, wird deutlich, was er meint. Federnd und leichtfüßig, hintersinnig und mit brillanter Virtuosität lässt er das Stück strahlen, bevor er der Musik in der nächsten Wendung innigen Schmelz und tiefe Melancholie entlockt. Es ist diese farbenreiche Klangpalette, die spielerische Leichtigkeit ohne jeden Druck und nicht zuletzt seine reife und hochsensible Interpretationsgabe, mit der Andreas Ottensamer als Solist wie als Kammer- und Orchestermusiker die Säle füllt, die Ohren öffnet und Herzen bewegt. „Diese Gesamtheit macht großen Spaß, und ich hoffe, dass es so weitergeht“, sagt Ottensamer. Dann grinst er zufrieden und schwingt sich vom Sofa. Die nächste Probe beginnt. Dorothea Walchshäusl AUF TOURNEE 19., 20., 22.03. Bremen, Die Glocke 11.05. München, Prinzregententheater 13.05. Ravensburg, Konzerthaus 16.05. Berlin, Konzerthaus Andreas Ottensamer: „New Era“, Stamitz, Danzi, Mozart, Kammerakademie Potsdam, Emanuel Pahud, Albrecht Mayer (Decca)

nmz - KIZ-Nachrichten

24. März

Leipziger Buchmesse in Sorge um Türkei - Buchpreis an Natascha Wodin

Leipzig - Auf der Leipziger Buchmesse dominieren ernste Töne. Die Sorge um die Entwicklung in der Türkei prägt viele Diskussionen. Der Buchpreis geht an Natascha Wodin - sie hat über ihre Mutter geschrieben, die einst zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt wurde. Die Schriftstellerin Natascha Wodin hat den renommierten Preis der Leipziger Buchmesse gewonnen. Die Jury zeichnete am Donnerstag in der Kategorie Belletristik ihren Roman «Sie kam aus Mariupol» aus. Weitere Preisträgerinnen sind die Übersetzerin Eva Lüdi Kong und die Sachbuchautorin Barbara Stollberg-Rilinger. Die Autorinnen nahmen die mit insgesamt 45 000 Euro dotierte Auszeichnung zu gleichen Teilen entgegen. Der Leipziger Buchpreis zählt zu den wichtigsten Literaturauszeichnungen in Deutschland. Erstmals ging er in allen drei Kategorien an Frauen. Weiterlesen




Crescendo

21. März

Woher kommt eigentlich … das Phänomen Wunderkind? - Jung und Alt

Wunderkinder sollen bewundert werden. Im Berliner Volksmund heißt das: „Ick kieke, staune, wundre mir.“ 1925 machte Kurt Weill daraus das Klopslied. Da wo man hinkiekt und staunt, dort lassen sich Wunderkinder in bare Münze verwandeln. Nicht nur Deutschland sucht den Superstar, die ganze Welt ist voller Wunder, man schaue nur bei Youtube nach. Es geht um Superlative, von denen sich das Wunderkind und sein Umfeld erhoffen, Stufe für Stufe in den Olymp von Ruhm und Reichtum zu gelangen. Vor dem Ehrgeiz des Kindes steht der Ehrgeiz der Eltern. Wunderkind Paganini erinnert sich an seinen Vater: „Bald erkannte er meine Naturanlage, ihm habe ich die Anfangsgründe in der Kunst zu verdanken. Seine Hauptleidenschaft ließ ihn sich viel zu Hause beschäftigen, um durch gewisse Berechnungen und Combinationen Lotterie-Nummern aufzufinden, von denen er sich bedeutenden Gewinn versprach. Deshalb grübelte er sehr viel und zwang mich, nicht von seiner Seite zu weichen, so daß ich vom Morgen bis zum Abend die Violine in der Hand halten musste … schien ich ihm nicht fleißig genug, so zwang er mich durch Hunger zur Verdoppelung meiner Kräfte, so dass ich körperlich viel auszustehen hatte, und die Gesundheit zu leiden begann.“ Der Komponist und Musikkritiker Alfred Julius Becher postulierte 1843 in den „Wiener Sonntagsblättern“, man solle „solche Kinderquälerei und Kunstprostitution unter polizeiliche Aufsicht stellen“. Die „Allgemeine Musikalische Zeitung“, zu deren Abonnenten auch Goethe zählte, bemerkte 1823, dass allerorts Wunderkinder „wie Pilze hervorschossen“. So wusste Goethe: „Die musikalischen Wunderkinder sind zwar hinsichtlich der technischen Fertigkeit heutzutage keine so große Seltenheit mehr …“, ergänzte jedoch in Bezug auf den jungen Mendelssohn: „… was aber dieser kleine Mann im Fantasieren und Primavistspielen vermag, das grenzt ans Wunderbare und ich hab es bei so jungen Jahren nicht für möglich gehalten.“ Gegenüber Zelter, der Mendelssohn unterrichtete, staunte er über den Zwölfjährigen: „Was Dein Schüler jetzt leistet, mag sich zum damaligen Mozart verhalten wie die ausgebildete Sprache eines Erwachsenen zu dem Lallen eines Kindes.“ Mozart als Maßstab, es sollte immer ein „neuer Mozart“ her. Mendelssohns Vater war als Bankier erfolgreich, wünschte sich von seinem Sohn Opern und Oratorien. Dafür scheute er weder Kosten noch Mühen. Mit 16 stellte Felix seine Oper Die Hochzeit des Camacho fertig. Der Sommernachtstraum ist das Werk eines 17-Jährigen. War es der Vater, der ihn antrieb oder – Mozart ähnlich – die Ahnung, früh vollenden zu müssen? Felix Mendelssohn starb mit 38. Es kann auch anders sein. Camille Saint-Saëns begann mit sechs Jahren zu komponieren, obwohl ihm dafür noch 80 weitere Jahre blieben. Oder war er erst drei Jahre alt, als er das erste Stück schrieb? Im Reich von „höher, schneller, weiter“ divergieren die Angaben. Mutter und Großtante förderten ihn, der Vater war kurz nach Camilles Geburt verstorben. „Als ich zweieinhalb Jahre alt war, setzten sie mich vor ein kleines Klavier, was seit Jahren nicht mehr geöffnet worden war. Anstatt darauf herumzutrommeln, wie es die meisten in meinem Alter getan hätten, schlug ich eine Note nach der anderen an, jedoch immer erst, wenn die vorherige ausgeklungen war.“ Literatur für Kinder zu spielen langweilte das Wunderkind, bald schon legten sie ihm Mozart und Haydn vor. „Mit fünf konnte ich kleine Sonaten korrekt spielen, gut interpretiert und in exzellenter Genauigkeit.“ Dass er all das unter Zwang getan habe, entkräftet Saint-Saëns in seinen „Musikalischen Erinnerungen“: „Ich habe in einer Biografie gelesen, ich sei mit der Peitsche bedroht worden, damit ich spiele. Das ist absolut falsch.“ Die italienische Geigerin Teresa Milanollo begann ihren Unterricht mit vier Jahren. 1843, als sie 16 war und ihre Schwester Maria elf, spielten die beiden im Wiener Redoutensaal vor 4.000 Leuten. „Seit Paganini dürfte sich kaum ein anderes Concert eines solchen Zuspruches erfreut haben, wie dieses.“ Hier rief Becher nicht nach „polizeilicher Aufsicht“, sondern lobte: „Die in noch so unreifem Alter übernatürlich erscheinende Tiefe der Empfindung und die daraus hervorgehende Vollendung der Exekution. So kann aber auch kein Mann spielen!“ Was steht hinter dem Wunsch, die Welt ins Kieken, Staunen, Wundern zu versetzen? Vielleicht der Ruf, mit dem Kurt Weills Klopslied endet: „Icke! Icke! Icke!!“ Stefan Sell



Crescendo

16. März

Roman Trekel: Insel der Seligen - Roman Trekel

Wie in einer behüteten Sängeroase erlebte Bariton Roman Trekel seine Musikerziehung in der ehemaligen DDR. Andererseits fand keinerlei internationaler Austausch statt. Dass er nicht so massiv gepusht wurde wie andere junge Sänger heute, erlebte er auch als Glück. Mitten im Berliner Szenestadtteil Prenzlauer Berg, zwischen veganen Restaurants, hippen Designerläden und Ballettstudios für Kinder, liegt das kleine Tonstudio von Roman Trekel. Ein paar Stufen führen hinunter in ein Souterrain, gleich neben der Tür steht ein einladender Ohrensessel. In diesen Räumen produziert der Bariton, der seit Ende der 80er-Jahre zum Ensemble der Berliner Staatsoper gehört, nicht nur eigene Alben oder CDs von Kollegen, sondern unterrichtet auch seine Gesangsschüler. „Ganz in der Nähe wohnte früher meine Mutter mit meinem älteren Bruder. Ich blieb noch bei den Großeltern in Pirna bei Dresden, bis ich zwei Jahre alt war“, erzählt der Bariton. Die Eltern standen als Sänger abends häufig auf der Bühne. Die gefeierte Mezzosopranistin Ute Trekel-Burckhardt war im Ensemble der Komischen Oper. Ihr Mann Jürgen, ein Bass, hatte Engagements in Plauen, Frankfurt an der Oder, Halle und später auch in Berlin. Die Liebe zur Musik war Roman Trekel also schon in die Wiege gelegt worden. „Der stärkste Einfluss ging wohl von meinem Großvater aus. Er war Pianist, Dirigent und Komponist“, erinnert er sich. „In meiner Kindheit war er für mich ein Gott.“ Zum Singen kam Trekel erst als Teenager, vorher wollte er unbedingt Orchestermusiker werden. „Dabei war mir gar nicht ganz bewusst, was das eigentlich bedeutete“, lacht er. Nach der Blockflöte lernte er zunächst Oboe, bis er mit 17 den ersten Gesangsunterricht nahm. „Ab einem bestimmten Punkt habe ich im Singen mehr Erfüllung und Bestätigung gefunden. Ich musste allerdings noch einmal ganz von vorn anfangen. Auf der Oboe konnte ich längst mühelos phrasieren. Ein Sänger schafft das nur, wenn er die richtige Technik beherrscht. Erst nach drei bis vier Jahren hatte ich eine ausreichende Grundlage.“ Mit Stimme und Sprache Musik zu gestalten, sei wesentlich vielschichtiger, als ein Instrument zu spielen, findet er. „Auf der Opernbühne verkörpert man außerdem eine Rolle. Das alles macht Singen schwierig und gleichzeitig so schön.“ Noch vor dem Mauerfall kam der angehende Sänger nach dem Studium an der Hochschule für Musik Hanns Eisler an das frisch gegründete Opernstudio der Staatsoper Unter den Linden. Vorzeitig wurde er dann in das Ensemble aufgenommen, dessen festes Mitglied er bis heute ist. „Ich bin weit davon entfernt, die DDR-Zeiten zu glorifizieren. Für musikalisch begabte Kinder und Jugendliche gab es damals aber eine breitere Förderung, als dies jetzt der Fall ist. Musikunterricht wird an Schulen abgebaut. Gerade für Kinder ist das ein schwerwiegender Verlust. Dass klassische Musik in unserer Gesellschaft keine große Rolle mehr spielt, halte ich für eine katastrophale Entwicklung.“ In der DDR kam allerdings der Austausch mit anderen Kulturen zu kurz. „Wir befanden uns quasi in einem Puppenhäuschen, es gab ja kaum Einflüsse von außen. Unter den Gesangsstudenten an der Hochschule waren nur zwei Ausländer. Ein Bariton und ein Tenor aus Kuba, die ständig froren. Wir wuchsen sehr behütet auf, aber es fehlte natürlich die Konkurrenz.“ Obwohl sich das kommunistische Regime nach außen mit Nachwuchstalenten aus Musik und Sport schmückte, kann sich Trekel daran erinnern, dass der Alltag an der Musikhochschule weitgehend ideologisch unbeeinflusst verlief. „Wir befanden uns auf einer Art Insel. Mit solchen Künstlern konnte die Regierung offensichtlich wenig anfangen.“ Den frühen Einstieg bei der Staatsoper sieht er als großen Glücksfall. Seine Karriere als Opern- und Liedsänger hat sich seitdem stetig weiterentwickelt. Nach einem ersten Erfolg in einer Produktion von Debussys Oper Pelléas et Mélisande, bei der Ruth Berghaus Regie führte, präsentierte er sich unter dem neuen Generalmusikdirektor Daniel Barenboim bei viel beachteten Debüts, etwa in Mozart-Opern oder als Wolfram von Eschenbach in Wagners Tannhäuser. In dieser Rolle wurde er später bei den Bayreuther Festspielen gefeiert. Weitere Gastengagements führten ihn unter anderem an die Mailänder Scala, das Royal Opera House Covent Garden in London, die Bayerische Staatsoper München oder nach Tokio. In den USA hat er vor einigen Jahren wieder die Titelrolle in Alban Bergs Oper Wozzeck gesungen. Eine Aufnahme mit der Houston Symphony unter Leitung des österreichischen Dirigenten Hans Graf ist jetzt beim Label Naxos erschienen. Eine heikle Partie, die er zuvor bereits unter dem Dirigat Barenboims und unter der Regie von Andrea Breth an der Berliner Staatsoper übernommen hatte. „Man braucht viel Zeit, um sich in diese komplexe Figur hineinzuversetzen. Auch stimmlich ist die Partie äußerst schwierig. In einigen Szenen muss man einen Sprechgesang, für den Berg keine genauen Tonhöhen vorgezeichnet hat, mit verzweifelten Gefühlsausbrüchen verknüpfen. Als Wozzeck gerät man in einen Tunnel, in eine Art Sog, aus dem man während der gesamten Aufführung nicht mehr herauskommt.“ Blickt Roman Trekel auf seine Anfänge als junger Sänger zurück, ist er fast überrascht, wie glatt alles für ihn vorangegangen ist. „Ich kam immer ein Stückchen weiter. Doch der Knalleffekt, der große Durchbruch, mit dem ich im Alter zwischen 20 und 30 rechnete, blieb einfach aus.“ Heute ist Trekel froh darüber, dass er genug Zeit hatte, seine Stimme im eigenen Rhythmus weiterzuentwickeln. „Wäre ich damals plötzlich nach oben katapultiert worden, hätte ich das stimmlich vielleicht gar nicht verkraften können.“ Ihm ist bewusst, wie sehr sich die Mechanismen der Künstlervermarktung in den letzten Jahren verändert haben. „Junge Sänger werden oft groß aufgebaut. Da man über die neuen Medien ständig miteinander vernetzt ist, weiß man genau, was andere in der Branche gerade machen. Künstler, die gerade erst ihren Platz in der Musiklandschaft suchen, geraten dadurch unter einen starken Druck, der unterschwellig immer bestehen bleibt. Wenn man sich diesem Druck nicht entziehen kann, befindet man sich in einem ständigen Wettlauf mit anderen.“ Corina Kolbe TERMINE: 09.03.2017: Stuttgart, Staatsgalerie 09., 13., 16., 17., 21., 23.04.2017: Berlin, Staatsoper 29.04.2017: Berlin, Pierre Boulez Saal Alban Berg: „Wozzeck“ Houston Symphony, Hans Graf (NAXOS)

Klassische Musik und Oper von Classissima



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